1757, 1780: Visitationen

   Von 1679 bis 1813 betreuten Kapuziner die Wallfahrtsstätte in Bornhofen. Am 29. Mai 1757 erschien der Ordensgeneral Sigismund von Ferrara. Es gefiel dem italienischen Prälaten so gut „am schönen Rhein“, dass er über eine Woche im Kloster Ehrenbreitstein (bei Koblenz) blieb. Mehrmals wurde er vom Kurfürsten Franz Georg von Schönborn empfangen und zur fürstlichen Tafel geladen. Auch ließ der Fürst den P. General mit der kurfürstlichen Jacht („auf das eleganteste eingerichtet und reich vergoldet“) nach Bornhofen fahren.

   1780 holte das prachtvolle Schiff von Bornhofen den dort weilenden Kapuzinergeneral Erhard von Radgersburg ab, um ihn zur Visitation nach „Kloster Thal“ (Ehrenbreitstein) zu bringen. (Später benutzte die Kaiserin Marie Luise die Jacht auf ihrer Rheinfahrt nach Mainz.)

1918: Die Gnadenkapelle im Wandel

   Im Laufe der Zeit hat sich das Innere der Gnadenkapelle immer wieder verändert. 1918 stiftete ein unbekannter Wohltäter eine „herrliche Wandbekleidung“: brauner, in Felder eingeteilter Lahnmarmor, der „dem heutigen Raum einen feierlichen Ausdruck verleiht“ (D. Fuchs, 1937).

   Im Archiv des Klosters befindet sich ein Brief des o.g. Wohltäters, in dem dieser in deutlichen Worten sein Unverständnis darüber ausdrückt, dass „die schön gemusterten Marmorplatten“ in der Gnadenkapelle bei der letzten Renovierung „einfach mit weißem Putz übertüncht“ wurden.

   Die Marmor-Wandbekleidung – von der Firma Joh. Peter Radermacher aus Aachen ausgeführt – befindet sich noch heute unter der weißen Farbschicht.

1860: "Neues Bornhofen

   Mit dem Bau der Nassauischen Staatseisenbahn (auf der Strecke Frankfurt-Köln) entwickelte sich ein neues Bornhofen: „Am 22. März 1860 durchbrach man die Gartenmauer des früheren Kapuzinerklosters, um den breiten Eisenbahndamm durch die schöne Gemarkung zu führen... Die heutige materialistische Zeitrichtung scheut kein Klostergut, um ihr Ziel zu erreichen“ (Chronik des Klosters). Am 22. Februar 1862 fuhr dann der erste Zug von Rüdesheim nach Oberlahnstein.

   Die neue Verkehrsanlage brachte immer mehr Fremde nach Bornhofen. In jenen Jahren entstanden die beiden Hotels „zum Liebenstein“ (heute Morbach) und „Marienberg“ (heute ein Alten- und Pflegeheim). - „Was uns auf den alten Abbildungen so anmutig entgegenschaut, ist dahin; die trauliche Einsamkeit, die Romantik ist verschwunden. Kloster und Kirche erdröhnen von den schweren D-Zügen und langen Güterzügen, die unmittelbar vorbeijagen... Wie stark der Verkehr ist, geht daraus hervor, dass allein auf der rechten Rheinseite täglich innerhalb von 24 Stunden 120 bis 130 Eisenbahnzüge fahren“ (D. Fuchs; 1937).

 

1774: 13 Beichtstühle

   Im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts kam es „wegen der zahlreichen Prozessionen zu einem ungeheuren Andrang von Pilgern“. Regelmäßig erschienen jedes Jahr 62 Prozessionen. „Aus dem Kölner Land“ waren die Wallfahrer manchmal 3 Tage unterwegs

   Im Jahr 1774 besaß die Wallfahrtskirche 13 Beichtstühle. Um der großen Zahl von Beichtenden genügen zu können, war auf dem Platz vor dem Kloster längs der Südseite der Kirche eine offene Halle erbaut, in der mehrere Beichtstühle aufgestellt wurden.

   Die großen Festtage, vor allem „Mariä Geburt“ und „Mariä Himmelfahrt“ zogen auch viele Bettler an, ferner Eremiten, die um Geld bettelten. Mehrmals erließ die kurfürstliche Regierung in Ehrenbreitstein (Stadtteil von Koblenz) Verbote dagegen, so 1693 und 1704.

 

1726: Weihegaben

   Anstatt der Votivtafeln aus Marmor („Maria hat geholfen“) brachte man in früheren Zeiten der Schmerzhaften Mutter Gottes aus Dankbarkeit andere Weihegaben dar: goldene und silberne Ringe und Kreuze, silberne Herzen, goldene Rosenkränze u.a.

   Einen Teil der goldenen und silbernen Weihegeschenke hatte der Provisor der Wallfahrtskirche Pastor Seyfried im Jahre 1726 dazu verwendet, um eine neue Monstranz und ein Ciborium daraus anfertigen zu lassen. Sie hatten kaum im Tabernakel gestanden, als sie in der Nacht des 24. November 1726 gestohlen wurden – samt einem zweiten Ciborium, zwei silbernen Lampen und einer silbernen Krone vom Haupte der Muttergottes.

 

1681-1743: Gnadenerweise

   Die vertrauensvolle Verehrung und Anrufung der Schmerzhaften Mutter vor ihrem Gnadenbild ist manches Mal mit einer Erhörung belohnt worden. In einem alten Verzeichnis (Inventarium miraculorum) wurden die Gnadenerweise (gratiae) bezeichnet, die auf die Anrufung der heiligen Jungfrau in den Jahren 1681-1743 geschehen sind.

   Zu den genannten wunderbaren Gnadenerweisen in körperlichen und geistigen Anliegen bemerkt der Verfasser, dass es sich „um Tatsachen oder, wenn man will, außerordentliche Gebetserhörungen und keine eigentlichen Wunder handelt, die darum keinen anderen, als einen bloß historischen Glauben beanspruchen“. D.h., dass zwischen dem „materiellen Bild“ und einer etwaigen Erhörung oder Heilung kein innerer ursächlicher Zusammenhang besteht. Gott selbst ist die wirkende Ursache.

   Die vielen Gebetserhörungen werden auch durch die Votivtafeln bezeugt, die sich im Eingangsbereich der Wallfahrtskirche befinden (früher zu beiden Seiten der Gnadenkapelle).

 

1917: Niederrheinische Schiffswallfahrt

   Die katholische Bevölkerung des Niederrheins kannte bis 1917 nur die Wallfahrt nach Kevelar. Weil aber wegen der strengen Passvorschriften Kevelar im 1. Weltkrieg für Prozessionen gesperrt war, beschlossen die Pfarreien Krefeld-Oppum, Linn und Bockum am 12. und 13. Juli 1917 mit einem Sonderschiff eine Wallfahrt nach Bornhofen am Mittelrhein zu unternehmen.
 
Die Begeisterung der Teilnehmer/innen war so groß, dass vom 15. bis 17. August 1917 eine zweite Wallfahrt stattfand. Seitdem gehört die Niederrheinische Marienwallfahrt auf dem Rhein zu den regelmäßigen Wallfahrten nach Bornhofen. Sie findet an 3 Tagen der Pfingstwoche und in der letzten Augustwoche statt.

 

1850:  „Altötting für den Rhein“

   Auf der berühmten Bischofskonferenz von 1848 in Würzburg wurden zur Neubelebung des religiösen Lebens Exerzitien für Priester und „Missionen für das katholische Volk zu halten“ beschlossen.

   Bischof Peter Joseph Blum von Limburg setzte sich mit dem Provinzial der deutschen Redemptoristenprovinz in Altötting in Verbindung, um eine Anzahl Patres zur Abhaltung von Missionen zu gewinnen. 1850 kamen 6 Patres, die zuerst in der bischöflichen Kathedrale in Limburg, dann in anderen Pfarreien des Bistums „eine Mission nach der anderen“ hielten.

   Um ein Exerzitienhaus in der Diözese zu haben, entschloss sich Bischof Blum, eine Niederlassung der Redemptoristen in dem ehemaligen Kapuzinerkloster Bornhofen zu gründen. Am 17. Juni 1850 schrieb er in seinem Gesuch an den P. Provinzial: „Bornhofen bildet einen vortrefflichen Mittelpunkt für das katholische Rheinland. Der bloße Name schon ist den Katholiken teuer; durch die Muttergottes-Wallfahrt kann es ein Altötting für den Rhein werden; es ist in jeder Beziehung geeignet, der Mittelpunkt einer großartigen Missionstätigkeit, der Ausgangspunkt eines unberechenbaren Segens für weite Kreise zu werden.“

   Am 29. August 1850 unterzeichnete Bischof Peter Joseph Blum die Urkunde betreffend die „Übertragung des Wallfahrtsdienstes zu Bornhofen an die Redemptoristen“.

 

1587: Sage von den feindlichen Brüdern

   Mit dem Kloster wird die „Sage von den feindlichen Brüdern“ in Verbindung gebracht:

   „Auf den Burgen Sternberg und Liebenstein (heute Ruinen auf den Rheinhöhen über Kamp-Bornhofen) wohnten einst zwei Brüder mit ihrer blinden Schwester. Jene waren böse und lagen ständig miteinander in Fehde. Nach dem Tod des Vaters fügten sie ihrer Feindseligkeit eine neue Bosheit hinzu. Sie teilten nämlich das väterliche Erbe, indem sie das viele Geld mit dem Scheffel ausmaßen; ihre Schwester, die fromme Hildegard aber, betrogen sie, drehten den Scheffel um, legten Geldstücke darauf und ließen sie tasten, dass das Maß voll sei.

 Endlich wiesen sie die Blinde aus der Burg und gaben ihr nur ein altes Muttergottesbild mit auf den Weg, fest erwartend, dass sie den steilen Felsen hinunterstürzen würde. Hildegard aber langte unter dem Schutz der heiligen Gottesmutter wohlbehalten unten an und baute das Kirchlein und ein Kloster, in welchem sie die erste Äbtissin war.“

 (Die Sage wurde zuerst 1857 von Arnod Buchelius veröffentlicht.)

 

 

1709: Fließendes Wasser

  Schon 1709 gab es im Kloster - in der im Ostflügel gelegenen Küche und in der „großen Konventstube“ (Refektorium) – fließendes Wasser. In einer Brunnenkammer oberhalb des letzten Hauses wurde das Wasser einer im Bergwald entspringenden Quelle gesammelt, und von dort lief es durch eine Rohrleitung ins Kloster. – Vor dem Ostflügel beim Felsen gelegen gehörte damals auch ein Ziehbrunnen zum Kloster und innerhalb dieses Flügels eine tiefe Zisterne.

 

   Über der Küche und dem Refektorium befanden sich 19 kleine Zellen (7:5 Fuß) – die kargen Wohnräume der Patres und Brüder. Geheizt konnten die Zimmerchen nicht werden; sie empfingen zur kalten Winterszeit durch kleine verschließbare Öffnungen aus dem darunter liegenden Speisesaal und der Küche etwas Wärme.

 

1760:  „Truckene Statua“

 

  Nahe der Vorhalle der Wallfahrtskirche befindet sich eine über Lebensgröße aus Sandstein gehauene Figur des hl. Franziskus von Assisi – dargestellt mit einem Kreuz in der Rechten, den Wundmalen und im Ordensgewand der Kapuziner (von 1679 bis 1813 in Bornhofen).

  Es war geplant, dass aus den fünf Wunden Wasser springen und in ein Becken laufen sollte „zur Labung der zur Sommerzeit ermatteten Pilger“. 1760 richtete P. Guardian Josef Justus ein Bittgesuch an den Kurfürsten, das Vorhaben vollenden zu lassen. Doch die fürstliche Hofkammer beließ es bei einer „truckenen Statua“.

  Die Barockfigur steht in einem Steingehäuse, an dessen Stirnseite das Wappen des Stifters Kurfürst und Erzbischof Johann Hugo von Orsbeck (1676-1711) angebracht ist.

 

1813:  Innere Anlage des Klosters 

 

  Aus einem alten Grundriss und einem Inventarium aus dem Jahr 1813 ist die ehemalige innere Anlage des Klosters ersichtlich: Im Ostflügel lagen die Wohnräume der Klosterfamilie über den großen Konventstuben, der Küche und dem Refektorium. Im 1. Stock, dem Domitorium, befanden sich 19 Zellen: „7 Fuss in der Länge, 5 Fuss in der Breite und 6 Fuss in der Höhe“. Die kleinen unbeheizten Räume boten nur Platz für ein Bett, einen kleinen Tisch und einen Schemel zum Sitzen. Die Fenster hatten die Größe von 80:60 cm.

  Im Rheinflügel des Kloster befanden sich dagegen große Räume mit prächtiger Ausstattung. Der Kurfürst Johann Hugo hatte sie für sich zum Wohnen herrichten lassen, wenn er sich von sein Regierungsgeschäften hierher zurückzog. Auch der Landgraf Ernst von Hessen-Rheinfels hatte zwei fürstliche Zimmer im Südflügel des Klosters (später „Fürstenflügel“ genannt).

 

1852: Geistliche Übungen

 

 

    Auf Ersuchen des Limburger Bischofs Peter Joseph Blum (1842-1884) leitete Pater Superior Johann Baptist Eichelsbacher im März 1852 die ersten geistlichen Übungen der neu entstehenden Kongregation der „Armen Dienstmägde Jesu Christi“ (ADJC) von Dernbach/Westerwald. Teilnehmerinnen waren die ersten vier Schwestern und die 1978 selig gesprochene Stifterin Maria Katharina Kasper.

   Über die Vorträge von Pater Eichelsbacher berichteten die Schwestern Bischof Blum: „Wir haben zwar nichts Neues und Unerhörtes vernommen... (aber) wir waren alle so recht durchdrungen von den Wahrheiten, welche unser gottinniger Pater in ganz einfachen und schlichten Worten, aber voll Wärme und Klugheit und mit einem Gefühle, welches aus Erfahrung sprach, uns vortrug.“

    Pater Eichelsbacher starb 1889 in Rom im Rufe der Heiligkeit. Von 1850-1873 betreu-ten Redemptoristen die Bornhofener Wallfahrtsstätte.

 

1873: Die zweite Aufhebung des Klosters

 

 

   Als am 19. Juni 1872 das Aufhebungsgesetz mehrerer Orden vom Reichstag angenommen wurde, betraf dies auch das Kloster Bornhofen. In tiefer Sorge begab sich Bischof Peter Josef Blum am 27.6.1872 (bis zum  6.7.1872) zu den Redemptoristen seiner Lieblingsstiftung nach Bornhofen. Kaiser Wilhelm befand sich damals im nahen Bad Ems zur Kur. Es bedurfte seiner Genehmigung, damit das beschlossene Aufhebungsgesetz in Kraft treten konnte.

   Bischof Blum unternahm einen letzten Versuch. Die erbetene Audienz (in Bad Ems) wurde ihm vom Kaiser zwar gewährt, seine dringliche Bitte aber, den Beschluss des Reichstages nicht zu bestätigen, blieb unerfüllt. Kaiser Wilhelm I. unterzeichnete am 4. Juli 1872 das Aufhebungsgesetz („Jesuitengesetz“). Am 18.10.1873 endete nach nur 23 Jahren das segensreiche Wirken der Redemptoristen in Bornhofen mit der Abreise der letzten Patres und Brüder.