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9. Feuerwehrwallfahrt am Mittelrhein
Kloster Bornhofen, 30. Oktober 2011
Predigt: „Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben hingibt für seine Freunde.“ (Joh 15,13) Liebe Mitglieder der Feuerwehren am Mittelrhein und des Technischen Hilfswerkes, liebe Schwestern und Brüder im Glauben! Es ist ein wichtiges Stück großer Weltliteratur, das uns im „Gesang der Kreaturen“ überliefert ist. In Deutschland kennen wir diesen üblicherweise unter dem Namen „Sonnengesang des heiligen Franziskus“. Den Kindern ist er bekannt und wird von ihnen geliebt mit dem Refrain „Laudato sì“. Der heilige Franziskus preist in diesem Gesang Gott durch die Geschöpfe: „Cantico delle creature“. Er lobt nicht die Geschöpfe, wie dies in den antiken Religionen üblich war, die einen Sonnengott kannten und eine Mondgöttin, in denen die Planeten Götter waren und Namen trugen, die uns heute noch geläufig sind: Jupiter und Saturn, Venus und Mars, … Statt die Geschöpfe zu verherrlichen, singt Franziskus den Lobpreis des Schöpfers. „Höchster, allmächtiger, guter Herr, sei gepriesen durch Bruder Sonne, Schwester Mond …“. So führt Franziskus die Geschöpfe auf: die Sonne und den Mond mit allen Gestirnen, den Wind und sämtliche Arten von Wetter, das Wasser, das Feuer und die Erde, auch den Menschen, und zwar vor allem den, der bereit ist zu vergeben, und schließlich den Bruder Tod. Gelobt sei Gott durch das Wasser, so nützlich und demütig, so köstlich und keusch. Und durch das Feuer, das die Nacht erleuchtet, so freundlich und schön, so gewaltig und stark. 2 Kennen wir aber nicht diese Elemente auch in ihrer zerstörerischen Kraft? Das Wasser ist die Lebensader einer Region, wie der Rhein, der am Kloster vorbeifließt. Kann aber nicht der Strom auch mit seinen Wassermassen Leben bedrohen, wenn alle Ufer überflutet und Mensch, Tier und Besitz in Gefahr sind? Auch das Feuer, das nicht nur zum Wärmen und Kochen dient, sondern auch in Industrie und Produktion gebraucht wird, kann Leben vernichten. Dem Feuer fallen große Werte zum Opfer, bisweilen ist sogar der Tod eines Menschen zu beklagen. Hat Franziskus womöglich nicht recht, wenn er durch die Geschöpfe den Schöpfer preist? Kommt es nicht sogar vor, dass Menschen selbst die Elemente missbrauchen so wie ein Brandstifter, der unverantwortlich handelt? Hier ist der Mensch gefordert, ebenfalls ein Geschöpf Gottes, ausgestattet mit Vernunft und praktischen Fähigkeiten. Und tatsächlich verlassen wir uns darauf, dass es Menschen gibt, die uns vor diesen Bedrohungen schützen. Zu den wichtigsten unter ihnen gehören die Feuerwehrleute. Sobald Gefahr droht, vertrauen wir auf sie, die uns vor dem Feuer schützen, Menschen retten oder Dämme gegen die Überflutung aufrichten. Es braucht, weil dies nicht selbstverständlich und nicht einfach ist, dafür zunächst große Einsatzbereitschaft. Diese ist in unserer Zeit selten geworden, da im Individualismus unserer Gesellschaft viele lieber an sich denken, die Pflichten anderen überlassen und nur den eigenen Vorteil suchen. „Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.“ Dieser Satz Jesu meint nicht nur, dass jemand sein Leben opfert. Vielmehr geht es bereits im Alltag darum, sein Leben einzusetzen, seine Freizeit in den Dienst der anderen zu stellen und seine Fähigkeiten nicht nur zum eigenen Wohl einbringen zu wollen. Ihre Einsatzbereitschaft, die Sie als Mitglieder der Feuerwehren oder des Technischen Hilfswerkes einbringen, ist für uns als Gesellschaft und als Mitbürger lebensnotwendig. Es braucht außerdem Mut, denn auch das Leben der Helfer kann in Gefahr geraten. Nach den Terroranschlägen des 11. September 2001 in New York sprachen viele von dem hochherzigen Einsatz der Feuerwehrleute, von denen viele ihr Leben verloren. Wir hier haben das schon vorher gewusst und verstanden wertzuschätzen. Wir denken an den 21. November 1949, als ein Großfeuer den Dachstuhl der Wallfahrtskirche und des Kloster sowie das obere Geschoss des Klosters vernichtete. Damals wurde das Gnadenbild nur unter größter Gefahr aus der Kirche gerettet. Der Brandmeister Hermann Doneth aus Lahnstein verlor in treuer Erfüllung seiner Pflicht beim Einsatz sein Leben. Es braucht ein gutes Miteinander der Einsatzkräfte, damit nicht im Moment der Gefahr jeder nur nach seiner eigenen Vorstellung handelt, sondern gemeinsam das Wohl der Menschen gesucht wird. Dies setzt voraus, dass auch im Alltag und das Jahr über die Feuerwehrleute ein gutes Einverständnis suchen, miteinander üben und in Teambereitschaft arbeiten. Schließlich kommt die hohe Professionalität hinzu, ohne die in den schwierigen Situationen nichts erreicht würde. Auch wer ehrenamtlich tätig ist, also nicht professionell im Sinne der Hauptberuflichkeit den Dienst tut, erweist seine Professionalität im Sinne von Kompetenz und erworbener Fähigkeit. All das ist notwendig und könnte doch nicht reichen, wenn wir einzig und allein auf unsere menschlichen Kräfte angewiesen wären. Deshalb kommen Sie seit Jahren treu zur Wallfahrt nach Bornhofen, um den Segen Gottes zu erflehen und die Gottesmutter um ihren Schutz zu bitten. Der Dienst, den Sie tun, wird darin zum Gleichnis für unser Leben. Das ständige Üben ist ein Vorbereiten auf den Ernstfall. Zugleich ist jeder Handgriff und jede Übung selbst schon Ernstfall. Menschliches Miteinander gehört dazu ebenso wie der Blick nach oben, der um Gottes Hilfe fleht. „Nach Lieben ist Helfen das schönste Zeitwort der Welt“, sagte die österreichische Schriftstellerin Bertha von Suttner, die 1905 den Friedensnobelpreis erhielt. Ebenso selbstlos wie das Lieben ist auch das Helfen. Ohne die Hilfsbereitschaft derer, die Tag für Tag und Jahr um Jahr in ihrer Einsatzbereitschaft für ihre Mitmenschen da sind, könnten wir nicht menschlich leben. Unsere Gesellschaft wäre sehr schnell am Ende. Wir sind Ihnen dankbar und sind zusammen mit Ihnen Gott dankbar dafür, dass sich immer wieder diese Einsatzbereitschaft findet. Fast möchten wir dem Sonnengesang des heiligen Franziskus eine Strophe anfügen: Höchster, allmächtiger, ewiger Herr, sei gelobt auch durch die Feuerwehrleute, die zu unserem Schutz ihr Leben einsetzen! Es ist jetzt fast 50 Jahre her, dass John F. Kennedy zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt wurde. In seiner unvergessenen Antrittsrede prägte er den Satz: Frag nicht, was dein Land für dich tun kann! Frag, was du für dein Land tun kannst! Sie haben sich diese Frage zu eigen gemacht und gefragt, was Sie für Ihre Mitmenschen, für unsere Gesellschaft, für Ihr Land tun können. Und Sie haben mit Ihrem Dienst die Antwort gegeben. Wir dürfen froh und dankbar sein, dass Sie in so großer Treue, teilweise schon über Jahre und Jahrzehnte, zu dieser einmal gegebenen Antwort stehen. Und den Mitgliedern der Jugendfeuerwehren Kraft und Mut wünschen, dass auch sie diesen Weg gehen können. Der heilige Franziskus von Assisi hat uns den Weg gewiesen, wie wir in dieser Welt als Geschöpfe Gottes den rechten Umgang mit dem, was Gott geschaffen hat, finden. Wir wollen auch ihn um seine Fürsprache bitten. Unter dem Schutz der Gottesmutter, zu der Sie vertrauensvoll nach Bornhofen pilgern, dürfen Sie vertrauensvoll auch weiterhin Ihren so wichtigen Dienst tun. Mit Ihnen geht die Verheißung des Gottessohnes, unseres Herrn Jesus Christus: „Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben hingibt für seine Freunde.“ Amen. |