Blick in die Konzilsaula des Zweiten Vaticanums © Lothar Wolleh / CC-by-sa 3.0 / Quelle: Wikimedia Commons (aus: Pfarrbriefservice.de)

Das 2. Vatikanische Konzil - "Die Zeit großer Hoffnungen"
(geschrieben von

Manfred Reichgeld)

 

Am 11. Oktober 2012 jährte sich zum 50. Mal die feierliche Eröffnung des 2. Vatikanischen Konzils durch Papst Johannes XXIII. Die Versammlung der fast 2500 Bischöfe aus aller Welt dauerte bis zum 8. Dezember 1965. Es war das 21. Konzil in der fast 2000-jährigen Geschichte der katholischen Kirche.

In einer Artikel-Serie erinnern wir an dieses Jahrtausendereignis. „Eine andere Kirche ist möglich.“ Das war die große Hoffnung der damaligen Zeit. Wir gehen u.a. der Frage nach, was aus dieser Hoffnung und der Leitperspektive der katholischen Kirche als „Kirche der Armen“ (Johannes XXIII.) geworden ist.

 

1. Vor dem Konzil
Als im Oktober 1958 nach einer Amtszeit von fast zwei Jahrzehnten Papst Pius XII. starb, ging eine Ära zu Ende. Die katholische Kirche war streng hierarchisch strukturiert, eine in sich und nach außen geschlossene klerikale Gesellschaft, die den Zweifel und unterschiedliche Auffassungen nicht zu kennen schien.
Die lateinische Sprache, in der die heilige Messe (nach dem sog. tridentinischen Ritus) mit dem Rücken zum Volk zelebriert wurde, blieb den Menschen fremd und unverständlich. Es gab keine Möglichkeit, den Gottesdienst aktiv mitzufeiern und sich einzubringen.
Kulturell war die katholische Kirche europäisch geprägt, fast alle Bischöfe und Priester, auch in den sog. Missionsgebieten, waren Europäer. Gleichwohl gab es vor dem Konzil – etwa in Deutschland und Frankreich - in der Liturgie und der theologischen Wissenschaft einige Aufbrüche und neue Ansätze, die, zuerst kaum wahrgenommen, sich nun entwickeln konnten.

Start: 19.12.2015