Kirchplatz 2, 56341 Kamp-Bornhofen; Fon: (067 73) 959 780; Fax: (067 73) 959 7820 E-Mail: franziskaner@wallfahrtskloster-bornhofen.de
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Einen Menschen haben

 

 

Im Johannes-Evangelium (5, 1-18) wird die Geschichte von den Kranken am Teich Bethesda erzählt, die auf einen Engel warten, der das Wasser bewegen soll. Wer dann als erster ins Wasser kommt, wird gesund. – Jesus spricht mit einem Kranken: „Willst du gesund werden? Der Kranke antwortete ihm: Herr, ich habe keinen Menschen, der mich, sobald das Wasser aufwallt, in den Teich trägt. Da sagte Jesus zu ihm: Steh auf, nimm deine Bahre und geh!“

 

So lange ein Kranker sagen muss: „Ich habe keinen Menschen...“, so lange sind die Bindungen der Menschen aneinander verzerrt oder zerstört. Krankheit ist dem Neuen Testament zufolge nicht eine „eigene Angelegenheit“, die jeder für sich allein zu behandeln hat.

 

Der Kranke am Teich von Bethesda – entfremdet von den Menschen um ihn – sagt, warum er noch krank ist: weil er keinen Menschen hat. Er ruft um Hilfe. Die Antwort Jesu ist eindeutig: Ich will, dass ihr eins seid. Überwindet alles, was euch trennt und blind macht zu hören und zu sehen. Keinen-Menschen-Haben ist eine Perversion des Lebens, das Gott euch zugedacht hat.

 

Durch unseren Sinn und unsere Hände kann die Vision Jesu wahr werden: „Liebt einander, wie ich euch geliebt habe.“

 

 

Pater Hugon Superson OFM

Manfred Reichgeld

(Januar 2017)

Menschensohn

 

 

Wenn Jesus von sich selbst sprach, nannte er sich Menschensohn. Im 2. Kapitel des Markus-Evangeliums sagt Jesus: „Ihr sollt aber erkennen, dass der Menschensohn die Vollmacht hat, hier auf der Erde Sünden zu vergeben.“

 

Der Frage nachgehend, wie das Wort „Menschensohn“ zu verstehen sei, schlagen wir vor: „Sohn Gottes, der Mensch wurde und mit den Menschen ist.“ – Menschlich zu leben, die Menschlichkeit selber ist für Jesus der Maßstab, an dem sich vor Gott entscheidet, was unser Leben eigentlich wert war. Von daher sind auch die Verse 8 und 9 im 12. Kapitel des Lukas-Evangeliums zu verstehen: „Ich sage euch: Wer sich vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem wird sich auch der Menschensohn vor den Engeln Gottes bekennen. Wer mich aber vor den Menschen verleugnet, der wird auch von den Engeln Gottes verleugnet werden.“

 

Wenn es uns immer mehr gelingt, keinen Schatten zu werfen auf das Leben anderer Menschen und nicht deren Aussichten zu verstellen, sind wir auf dem Weg des Lebens und der Liebe, den der Menschensohn für uns vorausgegangen ist.

 

 

Pater Hugon Superson OFM

Manfred Reichgeld

(November 2016)

Was kein Auge sah

 

 

Aus den Märchen unserer Kindertage wissen wir, dass allein die Liebe die Kraft besitzt, glücklich zu machen und uns über Berge und Meere zu tragen. Und doch ist dies nur ein schwacher Abglanz von dem, was Gott den Menschen für immer zugedacht hat.

 

Was wir Himmel nennen, „was kein Auge sah, was kein Ohr vernahm und was in keines Menschen Herz drang, was Gott denen bereitet hat, die ihn lieben“ (1 Kor 2,9), das ist das Ziel unserer Sehnsucht und zugleich die Antwort auf unser Suchen nach der Wahrheit jenseits von Zeit und Raum.

 

Der Gott des Lebens und der Liebe, an den wir glauben, hat die Menschen auf sein Bild hin geschaffen, um sie teilhaben zu lassen an seinem göttlichen Wesen, an seiner Wahrheit und an seiner Liebe. Von dieser Liebe leben wir; in ihr nähern wir uns dem Grund und dem Ursprung allen Seins.

 

Einzig die Liebe ist imstande, uns mit dem Himmel zu verbinden, die Liebe mit ihrem Glück und ihrer Schönheit, die wir als göttliches Geschenk umsonst empfangen haben. Wenn es uns von Reife zu Reife mehr gelingt, in der Liebe zu wachsen und diesen Atem des Lebens weiterzugeben, dann sind wir den Menschen und dem Himmel nah, dem „Ort“, den Gott denen bereitet hat, die ihn lieben.

 

 

Pater Hugon Superson OFM

Manfred Reichgeld

(Oktober 2016)

Aber nur eines ist notwendig

 

Im Lukas-Evangelium (10, 38-42) fragt eine Frau Jesus, den sie und ihre Schwester zum Essen eingeladen haben: „Herr, kümmert es dich nicht, dass meine Schwester die ganze Arbeit mir allein überlässt?“ Jesus antwortet: „Marta, du machst dir viele Sorgen und Mühen. Aber nur eines ist notwendig. Maria hat den guten Teil gewählt, und das soll ihr nicht genommen werden.“

 

Zu meinen, Jesus erachte die „täglichen Sorgen und Mühen“ gering und rede statt dessen „den großen Visionen“ das Wort, erscheint ganz unbegründet. Die täglichen Dinge des Lebens sind wichtig und notwendig – aber darin können wir uns auch verlieren, und das allemal Wichtigere, mit Händen nicht greifbar, bleibt womöglich gar nicht oder zu wenig bedacht.

 

Dass Jesus auf die genannte Frage so und nicht anders antwortet, wissen wir auch aus anderen Begebenheiten, wo es ganz ähnlich darum geht, nicht zu messen und zu vergleichen, sondern über den Tag hinauszublicken, das Unsichtbare zu sehen und die verborgenen Sprachen zwischen Himmel und Erde zu hören.

 

Der Tisch, an dem wir uns zusammenfinden und gemeinsam essen, weist über sich hinaus, wenn wir nicht zuerst darüber sprechen, mit welcher Mühe wir die Speisen „und das alles“ vorbereitet haben. – Auch hier gilt: Wir dürfen sein, was sich in uns entfaltet – auf eigenen Wegen und in dem, was wir frei entscheiden. Das ist der neue Anfang, den uns Jesus anbietet.

 

 

Pater Hugon Superson OFM

Manfred Reichgeld

(Sept. 2016)

Alles kann, wer glaubt

 

 

Im 9. Kapitel des Markus-Evangeliums (Mk 9,14-29) wird erzählt, dass ein Mann mit seinem kranken Kind zu Jesus kam und ihn anflehte: „Wenn du kannst, hilf uns; hab Mitleid mit uns. Jesus sagte zu ihm: Wenn du kannst? Alles kann, wer glaubt.“

 

Nicht unerklärliche oder magische Kräfte bewirken das Heilwerden an Leib und Seele. Die einzige Kraft, die Jesus für wirksam hält, ist die Kraft des Glaubens und des Vertrauens, das er (von Gott her) jeder Form menschlicher Not entgegenbringt.

 

Die heilenden und aufhelfenden Wendungen in Leid und Not hängen nicht von uns selbst ab. Nichts, außer dem Vertrauen, dass Gott an uns barmherzig handelt, steht in unserer Macht. „Alles kann, wer glaubt.“ Wir werden die Stürme und Wogengänge des Lebens bestehen, wenn wir dem folgen, der uns auf seinen Weg einlädt und von sich sagt: „Ich bin die Wahrheit und das Leben.“

 

Pater Hugon Superson OFM

Manfred Reichgeld

(12.07.2016)

Bild: Peter Weidemann In: Pfarrbriefservice.de

Menschen für Menschen

 

 

„Einer aus der Volksmenge bat Jesus: Meister, sag meinem Bruder, er soll das Erbe mit mir teilen. Er erwiderte ihm: Mensch, wer hat mich zum Richter oder Schlichter bei euch gemacht“ (Lk 12, 31-21).

 

Jesus weist die ihm gestellte Frage zurück. Irgendwelche Rechte, die man gegeneinander geltend machen könnte, sind ihm fremd. Nicht der Besitz an sich ist entscheidend, sondern das, was Menschen für Menschen daraus machen. „Rechthaben“ ist für Jesus mehr die Umschreibung eines „Egoismus“, der sich selbst noch nicht gefunden hat, als ein Regulativ, das Menschen zueinander führen könnte. – Jesus sagt: „Hütet euch vor aller Habsucht, (auch) wenn einer Überfluss hat, beruht sein Leben nicht auf seinem Besitz“ (Lk 12,15).

 

In der Szene von der „Versuchung in der Wüste“ (Mt 4, 3-4) verwahrt sich Jesus, Steine in Brot zu verwandeln: Wie stets religiös und nicht politisch oder sozial motiviert, redet er nicht dem Verzicht auf das „Irdische“ das Wort, vielmehr lenkt er den Blick vom Nebensächlichen dahin, dass Menschen aus dem Gefühl ihres Wertes leben, den Gott ihnen zugedacht hat.

 

 

Pater Hugon Superson OFM

Manfred Reichgeld

(31.05.2016)

Bild: Siegfried Wameser, Pfarrbriefservice.de

Pforte der Barmherzigkeit

 

 

Mit der Öffnung der Heiligen Pforte in Rom am 8. Dezember 2015 hat Papst Franziskus das Heilige Jahr der Barmherzigkeit ausgerufen. Wie sechs weitere Kirchen im Bistum Limburg hat auch die Wallfahrtskirche in Bornhofen eine Pforte der Barmherzigkeit. Das Heilige Jahr ist ein Jahr der Vergebung und der Buße, der Versöhnung zwischen Feinden und ein Jahr der Bekehrung, um das Sakrament der Versöhnung zu empfangen.

 

Wenn die Pilger die Heiligen Pforten durchschreiten, können sie einen vollkommenen Ablass gewinnen. Symbolisch zeigt die Öffnung der Pforte, dass den Gläubigen eine „außerordentlicher Weg“ zur Erlösung angeboten wird. Er versinnbildlicht das Verlassen der Welt und das Eintreten in die Gegenwart Gottes. Einen vollkommenen Ablass für sich selbst oder für das Seelenheil eines Verstorbenen gewinnen die Gläubigen, wenn sie im Stand der Gnade sind, d.h., wenn sie ihre Sünden gebeichtet, die Eucharistie empfangen und nach Meinung des Heiligen Vaters gebetet haben – z.B. Ein „Vater unser“ und ein „Ave Maria“.

 

Nach dem Katechismus der Katholischen Kirche ist ein Ablass der Erlass eine zeitlichen Strafe vor Gott für Sünden, die hinsichtlich der Schuld schon getilgt sind. – Jesus sagt: Seid barmherzig, wie euer himmlischer Vater barmherzig ist. Wer auf mich hört, dem stehen alle Türen offen.

 

P. Hugon Superson OFM

Manfred Reichgeld

(10.05.2016)

Bild: Elmar Waigand, Pfarrbriefservice.de

Wer in mir bleibt...

 

 

„Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen.“ Das ist die Antwort Jesu auf die Frage: Welchen Weg soll ich gehen – und auf welches Ziel hin soll ich unterwegs sein?

 

Die Antwort ist eindeutig: Wer in mir bleibt, der bringt reiche Frucht... In diesem sehr schönen Bildwort sagt Jesus auch: Ihr seid nicht allein auf eurem Weg, auch dann nicht, wenn ihr vor Hindernissen und an Abgründen steht, müde werdet oder nicht mehr weiter wisst. Wohin ihr auch geht, ich bin bei euch alle Tage.

 

Wenn die Reben vom Weinstock getrennt werden... – wir wissen, was dann geschieht: Von Minute zu Minute mehr schwindet alles Leben, das Holz verdorrt und zu nichts mehr nütze, wird es ins Feuer geworfen.

 

„Denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen.“ Das ist ein Angebot des Lebens und der Liebe, zu dem wir ja oder auch nein sagen können. Niemand drängt uns, uns so oder anders zu entscheiden.

 

 

Pater Hugon Superson OFM

Manfred Reichgeld

(07.04.2016)

Den Menschen nah


Zu allen Zeiten haben sich Menschen gefragt: Wie kann ich am besten Gott dienen? Welcher Weg ist der richtige und wie gehe ich mit den Hindernissen um, die sich mir entgegenstellen? Entfernen wir uns nicht in dem Maße von Gott, wie wir uns im täglichen Leben in Familie und Beruf dem Kind, der Frau, dem Bruder, der Mutter, ..., uns selbst zuwenden?

 

Es gibt eine sehr schöne und durch die Rede und das Tun Jesu bezeugte Antwort auf diese Fragen: Stellen wir uns einen in den Sand gemalten Kreis vor: Die Mitte ist Gott, die Kreislinie die Welt. Dort leben die Menschen. Wollen sie Gott näherkommen, müssen sie in das Innere des Kreises gehen. Und sie erfahren: Je näher sie Gott kommen, desto näher rücken sie zusammen, und je näher sie einanderkommen, desto näher sind sie bei Gott.

 

Vor Gott zählt allein die Art der Menschlichkeit, die Blinde sehen und Lahme gehen lässt (Jes 35, 5.6) – es zählt, ob wir handeln statt reden, andere mitnehmen und teilen, ob es uns gelingt, die leeren Worte mit Leben zu füllen und in der Liebe zu wachsen.


Pater Hugon Superson OFM
Manfred Reichgeld

Woher und wohin?


Unsere Antwort auf die Frage nach dem Woher und Wohin des Menschen lautet: Gott. – Wir glauben, dass die Welt, wie wir sie wahrnehmen und wie sie geworden ist, den zureichenden Grund nicht in sich selbst hat, sondern auf einen tieferen Grund verweist, der aus sich selbst lebt und existiert: Gott.

 

Als Menschen sind wir in allem endliche Wesen – bedroht, abhängig und zuletzt unausweichlich dem Tod verfallen. Zugleich meldet sich in uns die Sehnsucht und die Hoffnung nach dem Unbedingten und Absoluten, nach dem Licht in der Finsternis – wie es die Bibel formuliert. Wenn wir hier und dann entdecken, wie in einem geliebten Menschen alles neu werden kann, ahnen wir, mitten in der Zeit an die Ewigkeit rührend, wohin wir glaubend und hoffend unterwegs sind.

 

Allein in Gottes geheimnisvolle und unbegreifliche Wirklichkeit ist ein unbedingtes Vertrauen in den Sinn des Lebens und der Welt möglich. Er ist die Antwort auf unsere Nöte und Ängste, wenn sich zuletzt unausweichlich die Frage stellt: Wer bin ich? Wo finde ich Sinn und Halt?

 

Am deutlichsten hat der Gott, an den wir glauben, sein inneres Geheimnis offenbart in und durch Jesus, den er nicht im Tod belässt und dem wir vertrauen, wenn er uns einlädt und zusagt: „Ich gehe voraus, um euch eine Wohnung zu bereiten.“

 

Pater Hugon Superson OFM
Manfred Reichgeld

(08.02.2016)

Vergebung


Von Jesus wissen wir, dass Gott den Menschen ohne deren Vorleistung alle Schuld vergibt und von uns möchte, dass auch wir einander ohne Vorbehalte vergeben. „Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern“, beten wir im Vaterunser. 

 

In allem, was Jesus sagte und heilend wirkte, redete und handelte er gegen die Angst, gegen die inneren und äußeren Abhängigkeiten und wider das, was uns in unserem Vertrauen zu Gott entfernen könnte. 

 

Jesus wollte die Menschen/will uns mitnehmen (hinführen, begleiten) an den „Ort“, den die Bibel das „Paradies“ nennt – dorthin, wo die Angst bedingten Gegensätze in und um uns überwunden sind und Vertrauen und Liebe alle Formen widersprüchlicher Gefühle abgelöst haben.

 

So wie uns Gott alle Schuld vergibt, so sollen auch wir einander vergeben. Dann lassen wir alles Trennende hinter uns und wir entfliehen dem, was uns einengt und einsam macht.  – Guter Gott, wir brauchen Deine Hand, in der wir uns geborgen fühlen; nimm uns in Dein Licht und lass uns in der Wahrheit und in der Liebe wachsen. 

Pater Hugon Superson OFM
Manfred Reichgeld

(25.01.2016)


Gemeinschaft


Die Ablehnung, die Jesus durch die Schriftgelehrten und die Frommen seiner Zeit erfuhr, lag nicht nur in dem außergewöhnlichen Anspruch  seiner Verkündigung, sondern auch in seiner besonderen Zuwendung zu den Menschen, die „nach dem Gesetz“ als Sünder von Gott als endgültig Verstoßene galten.

 

„Als die Schriftgelehrten sahen, dass Jesus mit Zöllnern und Sündern aß, sagten sie zu seinen Jüngern: Wie kann er zusammen mit Zöllnern und Sündern essen?“ (Mt 2,17). Die Antwort Jesu ist eindeutig: Mit dem Verweis auf Gottes Freude über die Umkehr des „verlorenen Sohnes“ (Lk 15) benennt er sein Verhalten und  seinen Anspruch, in seinem eigenen Leben und Wirken Gottes Sein und Handeln abzubilden: „Ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten“ (Mt 2,17).

 

Im Judentum bedeutet Tischgemeinschaft zugleich Lebensgemeinschaft und damit die grundsätzliche Annahme des Anderen. Jesus nimmt die Sünder in die Gemeinschaft mit Gott auf. Aus dieser Gemeinschaft können wir uns nur selbst entfernen.


Pater Hugon Superson OFM
Manfred Reichgeld

(18.01.2016)

Was für uns gut ist

 

In ganz unterschiedlichen Situationen unseres Lebens, in unserer Not und unserem Leid, neigen wir dazu, Gott bestürmen zu müssen, dies und jenes zu tun – in der Annahme, genau zu wissen, was für uns gut ist – wenn nur Gott es auch wüsste...

 

Wie niemand sonst weiß Gott, was für uns gut ist – auch wenn wir nicht verstehen, warum Leid und Schmerz je und dann nicht enden wollen, warum unsere Hoffnungen sich nicht selten als durchsichtig und fern der Wirklichkeit erweisen, ... Gott verlässt uns nie; er ist uns immer nahe - und nicht erst, wenn wir ihn rufen.

 

Was uns als nichtig, leer und sinnlos-schmerzhaft erscheint, lässt sich allein in der Gewissheit ertragen, dass am Ende alle Tränen getrocknet sind und wir Gottes gewahr werden so wie es Jesus in Galiläa und Jerusalem gelehrt hat: „Du bist mein geliebter Sohn.“ 

 

Auf die Unwägbarkeiten und Gefahren in unserem Le-ben haben wir nur einen begrenzten Einfluss. Anders auf das, was in uns selber vor sich geht und wie wir – glaubend und hoffend – zu Gott stehen. Darin entscheidet sich unser ganzes Leben.


Pater Hugon Superson OFM
Manfred Reichgeld

(29.12.2015)

Stille oder Meditation?


Fördern die Veranstaltungen der kirchlichen Bildungseinrichtungen und die dort angebotenen Kurse in Meditation und Spiritualität letztlich auch den Christusglauben oder tragen sie bloß Praktiken anderer Religionen in die Gemeinden? (Papst Benedikt XVI.)


Es ist üblich geworden, die kurzzeitige Beschäftigung mit einem literarischen oder religiösen Text, das etwas intensivere Betrachten eines Bildes oder das Hören einer leisen Musik Meditation zu nennen. Auch wenn der Begriff zunehmend inflationär verwendet wird, die unterschiedlichen weltanschaulich-spirituellen Voraussetzungen und die noch weniger übersichtlichen Schulen und Methoden, zumal jene östlicher Herkunft, werden von den meisten, die sich über Meditation verbreiten, nicht einmal erahnt.

 

Was wir uns selbst und anderen anbieten können, sind Erfahrungen „wider den Trend nach außen“, natürliche Stillesituationen (z.B.), die Wege nach innen öffnen und zu Muße, Sammlung und zu innerer Ruhe führen... Stilleerfahrungen vermögen uns vor uns selbst zu bringen und von Reife zu Reife zu einem neuen Verhältnis zu den Dingen. Wie nichts sonst ist die Stille der Ort der Gotteserfahrung schlechthin.

Um „die verborgenen Sprachen zwischen Himmel und Erde“ immer mehr zu verstehen, bedarf es der Stille und des Schweigens, nicht meditativer Erfahrungswege, esoterischer Inszenierungen oder ähnlicher Konstellationen. 

 

Pater Hugon Superson OFM

Manfred Reichgeld

(02.12.2015)

Sprache der Hoffnung


Die Bibel ist ein Buch der Hoffnung. Schon in der Schöpfungsgeschichte geht es um die Frage, ob und wie es eine Zukunft gibt und wo die Kräfte zu suchen sind, die uns vor Chaos und Tod bewahren. Die prophetischen Visionen zünden gleichsam ein Licht an, das die Finsternis erhellt und sich wider die Angst und das Leid wendet.

 

Vollends in der Rede Jesu wird die Hoffnung sichtbar, von der wir leben: Dem ihr vertraut, ist der „Gott allen Trostes“ (2. Kor. 1,3), „unser Erlöser“, das ist sein Name von Anfang an (Jes. 63,16), seine Hand hält mich fest (Ps. 63,9). 

 

In einer besonders schönen Weise zeichnet die Bergpredigt den neuen Weg des Lebens vor: „Selig, die arm sind vor Gott, denn ihnen gehört das Himmelreich.“ „Gemeint sind Menschen, die wissen, dass sie vor Gott nichts vorweisen können, und die daher alles von Gott erwarten.“

 

Darin besteht unsere Hoffnung – wir dürfen alles von Gott er-warten..., dass Gott unser Elend ansieht (Ps. 31,8), dass er mein Weinen hört (Ps. 6,9), dass er mich tröstet in Angst (Ps. 4,2). – Die Sprache der Bibel, das ist die Sprache der Hoffnung. 


Pater Hugon Superson OFM
Manfred Reichgeld

(04.12.2015)

Start: 19.12.2015